Da saß sie nun... allein...
Er hatte sie „sitzengelassen“...

Das Wort hallte in ihrem Kopf nach...
Es begegnete ihr in den leeren Regalen,
in den Koffern, die er gepackt hatte,
in der leeren Flasche eines einsamen Abends
und in seinem letzten Abschiedsbrief
wo er versuchte mit schönen Worten
das bittere Gefühl von „Fremdgegangen“
nett zu umschreiben...

Sie stand auf lief unruhig in der leeren Wohnung umher...
Allein... allein... allein... allein... allein...
Es war eine andere Einsamkeit, wie die als Single...
Sie hatte den traurigen Unterton um das Wissen als Ehepaar,
als Freunde verbunden zu sein...

sie hatten sich mal geliebt,
es schien Lichtjahre entfernt...
zurück blieb nun die schmerzliche Einsamkeit...
die quälenden Fragen... das leere Bett...

Einsamkeit... Einsamkeit... Einsamkeit... Einsamkeit...
Sie war nun „in Trennung lebende“...
und irgendwann „Geschiedene“...

Müde starrte sie auf die Wand...
Vor ihr auf dem Tisch die alten Fotos und Liebesbriefe...
Was war sie denn gewesen???
Liebende? Glücklich? Manchmal, sicher...
Doch war sie nicht viel zu abhängig gewesen?
Immer auf seine Wünsche und Bedürfnisse achtend...

Wer war sie gewesen... eine Getriebene...
von der Verlustangst gejagte, unsichere einsame Frau...
mit Bedürfnissen...
Bis heute nicht gestilltem Verlangen nach Sicherheit, Geborgenheit, Liebe...

Er hatte es ihr nicht geben können...
Sie war immer nur „die Frau von...“ gewesen...
Oder früher „die Tochter von...“
Immer zählten die andern...

Eine einsame Träne rollte über ihre Wange...

Zuerst war der Schock da gewesen und das bittere Wissen,
das die Ängste der letzten Jahre sich nun bewahrheiteten...
Er verließ sie... endgültig... zog gleich dann zu ihr...

Dann... nach vielen Tränen... war die Wut gekommen
und sie hatte entschlossen all seine Sachen in den Keller verfrachtet,
hatte begonnen ihre Wohnung endlich nach Ihren Wünschen einzurichten...
Dann kamen lange Nächte voller Einsamkeit und Verzweiflung!
Bis sie unsanft in der Realität erwachte...
Eigenes Konto verwalten, selbst mit Ämtern telefonieren,
Geldangelegenheiten klären, arbeiten...

So viel Neues, unbekanntes, es erschreckte sie...
Doch sie kämpfte sich durch,
baute sich endlich ein eigenes Leben auf
und entdeckte das neue schöne Gefühl der Unabhängigkeit!
Sie musste sich vor niemand mehr rechtfertigen!!!
Sie war jung, hatte das Leben noch vor sich...
Sie hatte abgenommen,
ihre Haare geschnitten,
neue Klamotten gekauft und neue Freunde gefunden...
Sie konnte endlich lernen ihr Leben selbst zu gestalten...
Sie konnte sich endlich selbst kennen lernen...

Dinge, die früher für sie wichtig gewesen waren,
verloren nun an Bedeutung...
Meinungen, die sie von ihm übernommen hatte,
überdachte sie nun und begann sich selbst Gedanken zu
machen...

Es war eine sehr harte Zeit gewesen...
Doch sie war nun auf dem Weg der Selbständigkeit...

Sie sah in den Spiegel des Lebens und erkannte zum ersten Mal sich selbst darin.

Mit einem kleinen Lächeln nahm sie die Briefe und Fotos und zerriss sie,
bis der Aschenbecher voll war mit Papierschnipseln...
Sie zündete sich eine Zigarette an und hielt dann
das Feuerzeug in die Papierfetzen...

Feuer loderte auf und verbrannte
Jahre der Demütigung,
Jahre der Unselbständigkeit
Jahre voller Angst und Enttäuschung...

Da saß sie nun allein... doch sie hatte es geschafft!
Es würde sicher immer wieder mal wehtun...
Doch sie hatte wieder Boden unter den Füßen!

Sie war endlich frei!

Sie war endlich Sie selbst!

Lächelnd starrte sie auf die Asche,
nahm einen letzten Zug von ihrer Zigarette
und drückte sie dann aus...

Nie wieder wollte sie so abhängig werden...
Immer mehr wollte sie nun sich selbst kennen lernen...
Das war das Geschenk des Lebens an sie...

Endlich hatte sie es entdeckt...